Concilium - 53. Jahrgang (2017), Heft 2
Internationale Zeitschrift für Theologie
Thema: Reformation aus globaler Perspektive
Seiten 125-250, kartoniert
Matthias-Grünewald-Verlag, Ostfildern
ISBN / Code: 8364
Beschreibung:
Das Jahr 1517 markiert den Beginn der sogenannten Reformation: Der deutsche Augustinermönch Martin Luther veröffentlichte 95 Thesen, mit denen er zur Disputation um den Ablass und das Bußsakrament aufrufen wollte. Die Thesen zeigen, dass Luthers theologische Anliegen unmittelbar auch die kirchlichen Machtstrukturen betrafen. Denn, um nur beim Ablassstreit zu bleiben: Wie konnte Gottes freie Gnade gegenüber menschlicher Sündenschuld verkündet werden, wenn Ablassbriefe käuflich zu erwerben waren, die kirchlichen Würdenträgern aus finanziellen Schulden heraushalfen? Aber auch etwa: Wie konnte es um Gottes Wort bestellt sein in einer Kirche, in der das Volk Gottes von der Auslegung der Heiligen Schrift, des Zeugnisses von Gottes Wort, ausgeschlossen war und nicht einmal einen Zugang zur Bibel in der eigenen Muttersprache hatte? Dass die über solche Fragen angestoßenen Prozesse in ihren Wirkungen nicht innerkirchlich beschränkt blieben, macht die Reformation zu einem Ereignis, das die Welt verändert hat, indem sie Anstöße gab für die Herausbildung von Nationalstaaten, für unterschiedliche Konzepte der Trennung von Staat und Kirche, für religiöse Toleranz (wenn auch durch blutige Religionskriege hindurch), für die Anerkennung der Freiheit des Individuums. Gegenüber einer langen Tradition der katholischen Gegen-Profilierung und klarer Abgrenzungen gegenüber dem Protestantismus bedeutete das Zweite Vatikanische Konzil einen Wendepunkt, insofern nun ein ökumenischer Zugang in den Vordergrund trat und drängende theologische und praktische Fragen, die allen christlichen Denominationen gemeinsam sind, aufgegriffen wurden. Man kann geradezu den Eindruck gewinnen, als seien zentrale Anliegen Luthers - der Primat des Wortes Gottes, die Zugänglichkeit der Hl. Schrift in den vielen Sprachen der Welt, das Priestertum aller Gläubigen, das Verständnis des Amtes als Dienst in der Kirche, um nur einige zu nennen - nun endlich in der katholischen Kirchen angekommen!
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